Wahlanalyse zum Brexit: Europa ist eine Frage des Alters

13438935_1027782223937507_5825193636827530048_n

Ein Blick auf die Wähler zeigt: Für den EU-Ausstieg waren mehrheitlich ältere, englische, konservative und weniger gebildete Bürger

Von Dominic Heilig

Ein knappes Ergebnis wurde vorhergesagt – und so ist es gekommen: Beim Brexit-Referendum haben sich 52 Prozent der Abstimmenden für einen Austritt des Vereinigten Königreichs und Nordirlands aus der Europäischen Union (EU) ausgesprochen. Das Land ist in der Mitte gespalten, in gleich mehrfacher Hinsicht. Ein Blick auf das Wahlverhalten der Inselbewohner fördert Spannendes zutage.

Am Ende trennten rund 1,27 Millionen Stimmen das Brexitlager von den EU-Befürwortern. Die Wahlbeteiligung lag mit 72,2 Prozent sechs Prozent höher als bei den letzten Unterhauswahlen 2015. Und das ist die gute Nachricht: Europa interessiert die Menschen. Zumindest – und das ist die schlechte – wenn es um die Frage des Austritts aus der EU geht.

Die zweite schlechte Nachricht lautet: Der Riss zwischen EU-Gegnern und Befürwortern entzweit insbesondere die Generationen. Nach nicht repräsentativen Vor- und Nachwahlbefragungen votierten vor allem Ältere für den Brexit. Stimmten unter den 18- bis 24-Jährigen über 64 Prozent für die EU, war es unter den über 65-Jährigen gerade noch ein Drittel. Die Zustimmung zu einem gemeinsamen Europa sinkt, so die Zahlen, mit zunehmendem Alter. Ein Phänomen, das auch schon vor einem Jahr bei der Grexit-Abstimmung in Griechenland zu beobachten war.

Doch die Spaltung in der EU-Frage zieht sich nicht nur durch die Generationen, sondern verläuft auch zwischen den urbanen Zentren und ländlichen Regionen. Bewohner von Großstädten wie Belfast, Liverpool oder Manchester sind laut BBC deutlich weniger EU-kritisch eingestellt. In London stimmten knapp 60 Prozent gegen einen Brexit und selbst in der größten walisischen Stadt Cardiff lehnten 60 Prozent einen Ausstieg ab, während die Waliser insgesamt knapp für einen Brexit stimmten.

Die Abstimmung auf der Insel macht zudem die Zerrissenheit der einzelnen Landesteile untereinander sichtbar. Während in Schottland (62 Prozent) und Nordirland (56 Prozent) eine Mehrheit gegen einen Brexit votierte, sprachen sich in England und Wales rund 52 Prozent der Bewohner dafür aus.
Die Midlands gelten nach diesem Referendum erneut als die Heimstätte der Europaskeptiker. Dort konnte die rechtspopulistische UKIP bereits bei der Europawahl 2014 ihre besten Resultate erzielen. Am Donnerstag stimmten dort fast 60 Prozent gegen die EU. Die mit Abstand größte Zustimmung für einen Verbleib des Landes in der Union gab es mit rund 96 Prozent auf Gibraltar. In absoluten Zahlen ist dieses Ergebnis ob der wenigen Einwohner auf dem Felsen aber unerheblich.

Laut dem Umfrageinstitut YouGov, welches seine Zahlen durch Onlinebefragungen erhält und die deshalb mit Vorsicht zu genießen sind, hat vor allem die »DE-Class« für den Brexit gestimmt. Der Begriff fasst die unteren sozialen Schichten zusammen. Demnach versammeln sich vor allem unter den nicht-ausgebildeten Arbeitern, Geringverdienern, Rentnern und Personen, die auf staatliche Transferleistungen angewiesen sind, mit 63 Prozent mehrheitlich EU-Gegner. Die veröffentlichten Zahlen stellen so einen Zusammenhang zwischen dem Bildungsniveau und dem Abstimmungsverhalten heraus. Abiturienten (58 Prozent) und Hochschulabsolventen (70 Prozent) sollen demnach zur Seite der EU-Befürworter gehören.

Schließlich ist auch ein Blick auf das Abstimmungsverhalten nach Parteizugehörigkeit interessant. Anhänger der Grünen und Liberalen sollen den Brexit zu 80 Prozent und Parteigänger von Labour zu 75 Prozent abgelehnt haben. Bei Konservativen dreht sich das Bild. Hier hat eine Mehrheit von 56 Prozent für ein Ausscheiden Großbritanniens aus der EU gestimmt.

Quelle: http://www.neues-deutschland.de/artikel/1016438.wahlanalyse-zum-brexit-europa-ist-eine-frage-des-alters.html

Kommentar hinterlassen zu "Wahlanalyse zum Brexit: Europa ist eine Frage des Alters"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*